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Presse

Leverkusener Anzeiger vom 18.10.07

„Schlafende Wörter, lautmalend geweckt

Ein Bericht von INBEGORG SCHWENKE-RUNKEL


Manfred Enzensperger ruht nicht. Rastlos sucht er sie: Schlüsselwörter, Wegweiserwörter, Lotsenwörter, Rätselwörter. In seiner Phantasie spürt er sie auf: "pfingstrosenschminke", liegengebliebenes straßengesicht", "nachlassendes schaufenstern", zum Beispiel. Er findet - erfindet - sie und fügt sie zu Gedichten zusammen. Damit schickt er Leser oder Zuhörer auf eine Entdeckungsreise von Erlebtem und Erdachtem - eine Fahrt in die Stadtlandschaften der Seele. Im Außen der Straßen, Wege und Pfade spiegelt sich das Innen. Der Lyriker, der in Lützenkirchen wohnt und als Fachleiter am Studienseminar in Leverkusen arbeitet, gehört zu den wenigen wirklich erfolgreichen Autoren dieses Genres. Enzensperger hat seine Sprach-Ich-Finde-Reise in einem seiner Gedichte zusammengefasst. Titel: "schneller brüter". Kein Punkt, keine Komma, keine Großschreibung. Zeitweise hastig, wie der Bahnsteigwechsel vom Zeitwort, das ankommt, zum Hauptwort, das abfährt, las er die Zeilen. Zeitweise ruhig, wie die Erinnerung, wenn sie sich in der Stunde der Dämmerung über den Schlafsuchenden legt, rezitierte er sie. Lakonisch und fragend.


Bild Zimmerflimmern
"Zimmerflimmern" - Einklang von Ton, Wort und Raum im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich mit Michael Dahmen (v. l.), Manfred Enzensperger, Marie Zernack und Alexander Jedig.

In diese Stunden des Übergangs zwischen Tagtraum und Morgenrot führte der musikalische-literarische Streifzug, zu dem das "Museum Litterale" (eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von Museum Schloss Morsbroich und Buchhandlung Gottschalk) eingeladen hatte. Enzenspergers Poesie färbten die Musiker ein. Marie Zernack (Bratsche), Alexander Jedig (Saxophon) und Michael Dahmen (Klavier) übersetzten die Stimmungen der Verse in Töne. Die kurzen musikalischen Episoden entsprachen dem "Zimmerflimmern". So heißt der jüngste Lyrikband. Anklänge an Gehörtes? Schon vorbei. Aufblitzende Erinnerung? Schon vorüber.

Die Zuhörer im Spiegelsaal werden diesen Abend nicht vergessen, denn Enzensperger und die Musiker hatten "schlafende wörter" geweckt.

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